Junge Menschen anhören und beteiligen

Veröffentlicht am 29.10.2025 in Aktuelles

"Meine Meinung" von Bodo Philipsen im Gäuboten vom 29.10.2025

Vor nun gut 5 Jahren wurunter Beteiligung vieler junger Menschen in Herrenberg eine offene Form der Jugendbeteiligung beschlossen. Man wollte möglichst niedrigschwellig Mitwirkung anbieten. Im Mittelpunkt des Konzeptes stand das Jugendforum, zu dem einmal im Jahr alle interessierten Jugendlichen zusammengerufen werden und die Jugenddelegation, in der sich Jugendliche dauerhaft beraten und die auch Antrags- und Rederecht im Gemeinderat haben. Was anfangs ganz gut lief, ist heute entweder eingeschlafen, wird nicht mehr wahrgenommen oder hat nur zu einem irrealen Wunschkonzert geführt, an dessen Ende Enttäuschungen der Jugendlichen überwiegen.

Doch die Aufgabe der Kinder- und Jugendbeteiligung aus der Gemeindeordnung ist in einer Zeit, in der immer mehr junge Menschen den Weg zu extremen populistischen Kräften finden, dringlicher denn je. Nur wenn schon junge Menschen erleben können, dass sie Einfluss und Stimme in der Politik haben, werden sie die Demokratie unterstützen. Dabei sollten sie schon in jungen Jahren erfahren, dass Politik damit beginnt, sich zu informieren, zu argumentieren, um Mehrheiten zu kämpfen. Demokratische Mitwirkung muss früh starten und alle gesellschaftlichen Bereiche umfassen: Familien, Kitas und Schulen, Betriebe und Universitäten. Auch die Kommunalpolitik. Toleranz, Kompromissbereitschaft, Überzeugungskunst, aber auch die Fähigkeit Niederlagen hinzunehmen, müssen gelernt werden. Und in der digitalen Welt besonders schwer: Fake News zu erkennen und Wünsche beharrlich zu verfolgen. Das alles braucht konsequente Begleitung durch Ältere, klare Strukturen, offene Angebote und vor allem auch Erfolgserlebnisse. Das Jugendforum muss häufiger tagen, zu ihm müssen alle SchülerInnen und Auszubildende konsequenter eingeladen werden, statt Wunschkonzert müssen Projekte gemeinsam erarbeitet werden, die Jugenddelegation muss wieder regelmäßig tagen und im Gemeinderat präsent sein, auch Kinder müssen mitwirken können und anderes mehr.  Es ist nicht das Geld, sondern die fehlende konsequente Umsetzung der Ideen des „Herrenberger Modells“, was zur aktuellen Lethargie geführt hat. Lasst uns den Kindern und Jugendlichen unserer Stadt wieder eine Stimme geben.