Zeitungsbericht des Gäuboten vom 23.08.2005
über die SPD Kundgebung mit Wolfgang Drexler und Helmut Roth
Zeitungsbericht des Gäuboten vom 23.08.2005
über die SPD Kundgebung mit Wolfgang Drexler und Helmut Roth
Herrenberg. Dass die Union in aktuellen Umfragen in der Wählergunst nach wie vor vorne liegt, kann Wolfgang Drexler, Chef der baden-württembergischen SPD-Landtagsfraktion nicht verdrießen. Gut gelaunt und optimistisch gab er sich gestern Abend vor rund 80 Zuhörern auf dem Herrenberger Marktplatz.
Entscheidend seien die letzten vier Wochen vor der Wahl, betonte Drexler. Die CDU ist nach Ansicht des Sozialdemokraten in vielerlei Hinsicht auf dem Holzweg: "Im Steuer- und Gesundheitsbereich ist bei der CDU nichts drin."
"Der Marktplatz hier ist so schön wie in Esslingen, nur kleiner. Sonst würde der Kanzler hier sprechen", meinte Drexler, der in Esslingen geboren ist und Gerhard Schröder am heutigen Mittwoch in seiner Geburtstadt zu einer
Kundgebung begrüßt.
Kurzfristig hatte Helmut Roth, SPD-Bundestagskandidat aus dem Kreis Böblingen, Drexler für einen Abstecher nach Herrenberg gewinnen können. Gleichwohl war die Resonanz mit rund 80 Zuhörern, die gegen 18 Uhr auf dem Marktplatz zusammen kamen, recht gering."Der Wahlkampf läuft etwas eigenartig", befand Drexler, der sich am Mikrofon vor dem Markplatz postiert hatte und gegen die Sonne blinzelte. Eigenartig, denn Kanzlerkandidatin Angela Merkel verweigere ein zweites Fernsehduell. Und CSUChef Edmund Stoiber sowie Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger beschimpften die Ostdeutschen.
Gegen den Strich geht dem 59-Jährigen auch das Steuerkonzept von Paul Kirchhof, Finanzexperte in Merkels Kompetenzteam. Denn der von Kirchhof anvisierte Einheitssteuersatz von 25 Prozent habe einen Haken: "In den ersten drei Jahren fehlen den öffentlichen Händen 95 Milliarden Euro." Zudem gehe das Modell beispielsweise zu Lasten von Krankenschwestern, Polizisten und "Schichtarbeitern von DaimlerChrysler". Dabei sei die Mehrheit der Bevölkerung der Ansicht: "Wer viel verdient, soll auch mehr tragen."Von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer, wie sie die Union diskutiert, hält Drexler rein gar nichts: "Das ist unsozial und schafft keine Arbeitsplätze."
Harsch kritisierte der Chef der SPD-Landtagsfraktion auch die Kopfpauschale im Gesundheitswesen. Deutschland verfüge über das zweit- oder drittbeste Gesundheitssystem, "und jetzt will die CDU eine Kopfpauschale erheben", wetterte Drexler. Das ist soziale Ungleichheit sondersgleichen." Sinnlos ist für Drexler, das Renten-Alter bei 67 Jahren festzusetzen. Bei Betriebsbesichtigungen erlebe er immer wieder, dass es keine Arbeitsplätze für 67-Jährige gebe. Dass die CDU jedem Arbeitnehmer, der 45 Beitragsjahre nachweisen könne, eine abschlagsfreie Rente zahlen wolle, höre sich zwar gut an. Tatsächlich aber sei das ein "riesen Skandal", schalt Drexler. Denn laut Statistik würden rund 60 Prozent der Männer, aber nur zehn Prozent der Frauen auf diese Anzahl an Jahren kommen. Deshalb verberge sich hinter dem Konzept ein "massives Frauenbenachteiligungs-Programm".
"Zusätzliches Personal"
Ein schlechtes Zeugnis stellte Drexler der CDU auch in Sachen Familienpolitik aus. In Baden-Württemberg gebe es nur für 2,7 Prozent der Unter-Dreijährigen ein Betreuungsangebot, womit das Land denkbar schlecht abschneide. Hier sei eine Verbesserung dringend angezeigt. Ein Anliegen sind Drexler die Ganztagsschulen. 528 Millionen Euro stecke der Bund allein in Baden-Württemberg in den Bau von Ganztagesschulen. "Das Land muss helfen, aber wir brauchen zusätzliches pädagogisches Personal", forderte Drexler und erntete Applaus von den Zuhörern.
Eine weitere Forderung des redegewandten Sozialdemokraten: Weg von Uran und Öl, hin zu erneuerbaren Energien wie Sonne und Wind. Während etwa 70 Prozent der Bevölkerung den Ausstieg aus der Atomenergie befürworteten, wolle die CDU die Laufzeit verlängern. Vor allem in Baden-Württemberg sieht Drexler
Handlungsbedarf: "16 000 Windkraftanlagen stehen in Deutschland, nur 250 davon in Baden-Württemberg." Die CDU hebe in der Zukunftsfrage stets den "Wert der Schöpfung" hervor. Davon sei aber nicht viel zu spüren.
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